Kulturerlebnis für Hobbyköche

15. – 17. Juni in der Beethovenstadt Bonn


Diesmal stand das bereits zum wiederholten Male von Marietheres Többens durchgeführte Kochwochenende – zum ersten Mal organisatorisch unterstützt durch Peter und Elfi Sinke – unter dem Motto „Kochen und Kultur zwischen Tradition und Moderne“, wobei kulinarische Köstlichkeiten nach überlieferten Rezepten der Henriette Davidis klassisch zubereitet und zeitgemäß in modernem Ambiente eines exklusiven Küchenstudios im Herzen von Bonn zubereitet und serviert wurden.


19 Personen hatten sich angemeldet, wobei zwei leider kurzfristig absagen mussten. Der überwiegende Teil der Gruppe wohnte im Sternhotel in unmittelbarer Nähe des Historischen Rathauses am Bonner Marktplatz. Die große Tradition des Sternhotels – das bereits 1620 urkundlich erwähnt wurde, ist ein Teil der Bonner Stadtgeschichte und so manche Anekdote gibt es über das Haus „Im Stern“ zu erzählen. So hat der in Westfalen bekannte ‚Tolle Bomberg‘ 1885 kurzerhand das gesamt Hotel gekauft, um seine Standesgenossen, die dort konspirativ einen Adelstag durchführen wollten, nach ihrem Erscheinen kraft seines Hausrechts durch eine Rausschmeißerkollonne einen nach dem anderen wieder rauszuwerfen.
Um 16:00 Uhr ging es dann gemeinsam zu einem Stadtrundgang durch die Bonner Innenstadt. Hatte der Wettergott am Vormittag noch gegrummelt, so schien jetzt die Sonne und Bonn erstrahlte in seinem Glanz. Als Stadtführerin konnten wir Frau Britta Lensing gewinnen, eine Lehrerin und liebe Kollegin der Emilie-Heyermann-Realschule, der ehemaligen Schule von Elfi. Wir hatten uns eine ‚Stadtführung mit Herz‘ gewünscht und Frau Lensing verstand es hervorragend, diesen Wunsch umzusetzen. Nach einem fast zweistündigem Rundgang gab es noch ein leckeres ‚Bönnsch‘ im Bönnsch.


Um 19:00 Uhr trafen sich dann alle Teilnehmer im Gasthaus ‚Em Höttche‘ zum Abendessen und zur Planung des Kochevents. Das Gasthaus liegt zwischen dem Historischen Rathaus und dem Sternhotel und hat die längste Tradition aller Bonner Gaststätten. Die Bönnsche Geschichte des Hauses lässt sich noch heute an den Deckenbalken ablesen.
Am Samstag stand der Besuch des Palais Schaumburg, dem Bonner Amtssitz der Bundeskanzlerin, auf dem Programm. Das Palais Schaumburg ist ein 1860 fertiggestelltes schlossähnliches Gebäude in Bonn, das seit 1949 Teile des Bundeskanzleramtes beherbergt und bis 1976 erster Dienstsitz des Bundeskanzlers war. Danach wurde es zu klein und von einem nahegelegenen Neubau abgelöst. Knapp zwei Stunden durften wir unter der Führung einer Mitarbeiterin des Hauses der Geschichte in Bonn das Palais Schaumburg besichtigen, dessen Einrichtung besonders eng mit dem Namen Konrad Adenauers verbunden ist. So sah man noch den Schreibtisch des ersten Bundeskanzlers und das Kabinett-zimmer. Wir erfuhren aber auch, wie sich Adenauer ärgerte, als 1950 der Architekt Hans Schwippert Teile umbaute, die nicht in seinem Sinne waren. Adenauer tobte, verglich die Vorfahrt mit einer Tankstelleneinfahrt und soll das Treppenhaus boykottiert haben.


Umgeben ist das Palais von einem etwa 10 ha großen Park. Seit 1963 wurde in dem Park für jeden scheidenden Bundeskanzler zur Erinnerung an seine Amtszeit ein Baum gepflanzt. Vor dem neuen Bundeskanzleramt steht die Bronzefigur von Henry Moore ‚Two Large Forms‘, die 1979 auf Veranlassung von Helmut Schmidt dort aufgestellt wurde. Es waren hochinteressante Stunden, die wie im Fluge vergingen.


Anschließend ging es zum Küchenstudio, wo nach einem Glas Sekt und einem köstlichen Mittagsimbiss das eigentliche Kocherlebnis begann. Die Speisenfolge hatte es in sich: Nach einem Aperitif ‚Kardinal von Apfelsinen‘ folgte eine Wildpastete mit Cumberlandsauce, Salat vom Fisch mit Sardellenbutter und eine Windsorsuppe. Das Hauptgericht war eine Gefüllte Kalbsbrust mit Leipziger Allerlei und Voigtländer Kräuterklößchen. Als Nachtisch wurde ein Prinzregentenpudding mit Himbeersauce zubereitet.
Jeder hatte seine Aufgabe und wie ein Uhrwerk wirkten alle zusammen. Dabei kamen außergewöhnliche Talente zum Vorschein: Peter Segler zum Beispiel könnte locker beim nächsten Titel ‚Weltmeister im Spargelschäler‘ antreten und unser tatsächlicher achtfacher Weltmeister im Kopfrechnen, Dr. Dr. Mittring entpuppte sich als Allround-Talent im Umgang mit Induktionsherden. Es wurde geschält und geputzt, geschnipselt und angerührt und alles zusammen gestaltete sich unter den fachkundigen Augen und begleitenden Tipps von Marietheres Többens zu köstlichen Speisen.
Bei dem anschließenden Festmahl erzählte Marietheres noch einige Anekdoten .So erfuhren wir auch die Geschichte der ‚vierbeinigen Weihnachtsgans‘ und warum Sushi sexy ist.
Es war ein wunderbarer Nachmittag und Abend, bei dem sich alle einbrachten und in harmonischer Stimmung den Erfolg ihrer Arbeit gemeinsam genießen konnten.
Am Sonntag gab es noch ein kulturelles Highlight der besonderen Art, stand doch eine Führung im Beethovenhaus mit anschließendem Violinkonzert auf dem Programm. Frau Gitta Schatz, verantwortlich für Führungen und Museumspädagogik, empfing uns und machte anschließend bei der Führung ihrem Namen alle Ehre. Es war für uns alle ein besonderes Erlebnis, durch sie und ihre begeisternde Erzählweise das Leben und das Werk Ludwig van Beethovens in seinem Geburtshaus erfahren zu dürfen. Das Haus zählt zu den wenigen Bonner Bürgerhäusern aus dem 18. Jahrhundert, die noch erhalten sind. Durch den historischen Hausflur tritt der Besucher in den Hof mit der alten Wasserpumpe und dem kleinen Garten, und unversehens empfängt ihn mitten in der Stadt eine freundliche, stille und romantische Atmosphäre. Das Geburtshaus Ludwig van Beethovens birgt einen wahren Schatz: Es beherbergt die größte Beethovensammlung weltweit. Sie umfasst mehr als 1000 Originalhandschriften, Briefe von und an Beethoven, zahlreiche Gemälde, Grafiken, Musikinstrumente, Möbel und Gegenstände aus Beethovens Nachlass. Zu sehen ist beispielsweise der Orgeltisch, an dem Beethoven als Kind das Improvisieren lernte, sein Schreibtisch und Hammerflügel, den er zuletzt in Wien besaß und auch die Hörrohre, die eigens für ihn angefertigt wurden und Abhilfe gegen zunehmende Ertaubung schaffen sollten. Unser Rechengenie Dr. Dr. Mittring gab übrigens während der Führung ein Beispiel seines Könnens. Frau Schatz erzählte, dass das genaue Geburtsdatum nicht bekannt sei, und man nur wüsste, dass er am 17. Dezember 1770 in Bonn in der Remigiuskirche getauft wurde. Blitzschnell hatte unser Weltmeister ausgerechnet, dass dieses Datum ein Montag war, so dass Beethoven wahrscheinlich an einem Sonntag geboren wurde, da man damals wegen der hohen Kindersterblichkeit so schnell wie möglich getauft wurde. Das Leben und Werk Beethovens wurde uns so liebevoll und herzlich von Frau Schatz übermittelt, das ein Kommentar hinterher lautete: „Sie macht das so begeistert, als wenn sie Ludwig van Beethoven selber gekannt hätte.“


Im Anschluss an die Führung schloss sich das Violinkonzert zweier junger Musiker an, die durch Vermittlung von Marietheres Többens im Vortragssaal des Beethovenhauses auf-traten: Conrad Schorn (16) und die in Seoul geborene und im Alter von drei Jahren nach Deutschland gekommene Soo Min Kim (15) erfreuten uns mit Stücken u.a. von Bach, Telemann, Schostakowitsch bis hin zu dem eher unbekannten Émile Waldteufel. Die beiden jungen Musiker, die in Musikwett-bewerben von Erfolg zu Erfolg eilen, über-zeugten mit ihrer fabelhaften Interpretation und lang andauernder Beifall belohnte ihren Auftritt. Man sollte sich die Namen merken, denn irgendwann wird man sie vielleicht auf einer der großen Bühnen wiedersehen. Dass dies möglich ist, zeigt die beispiellose Karriere der Anne-Sophie Mutter, die auch mit einem Sieg im Bundeswettbewerb ‚Jugend musiziert‘ begann.
Frau Schatz war so erfreut über den Besuch der Gruppe und das Konzert, dass sie uns im Anschluss noch einen Einblick in den Kammermusiksaal ermöglichte, in dem alljährlich mit etwa 40 eigenen Veranstaltungen eine intensive Begegnung mit Komponisten zum ‚Erlebnis Klassik‘ ermöglicht wird.


Im Anschluss an die Führung und das Violinkonzert im Beethovenhaus gab es im Küchenstudio einen Sektempfang, bei dem auch Frau Schatz und Conrad Schorn mit seiner Mutter teilnahmen. Bei rhein-ländischer Suppe, ‚kölschem Fingerfood‘, Gebäck, Kaffee und gutem Wein ließen wir das Wochenende für Hobbyköche ausklingen.
‚Es war ein echtes Kulturerlebnis‘ – so oder ähnlich drückten die Teilnehmer ihre Begeisterung aus. Die Zusammenarbeit aller, das gemeinsame Zubereiten nach den historischen Rezepten und das anschließende Essen fanden in einer besonders harmonischen Atmosphäre statt. Die kulinarischen Leckerbissen und die kulturellen Highlights, die wir gemeinsam erleben durften, waren der Dank für die viele Arbeit, die die Organisatoren in die Vorbereitung investiert hatten. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die zum Gelingen dieses Wochenendes beigetragen haben und freuen uns schon auf das nächste Mal.

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